Denada Jushi
16. Juli 2025: Während ich die Route zur albanischen Riviera beschreibe, steigt eine graue Wolke über den wunderschönen Kronen des Herzogtums auf.
Der warme Wind verbreitet den Duft von brennendem Gras und Bäumen, während Rauch den Himmel bedeckt und die starke Julisonne trübt.
Ein alltäglicher Anblick. Waldbrände sind keine Sommernachrichten mehr, sondern eine wiederkehrende Krise, die zu einer permanenten Gefahr wird. Das Jahr 2024, das wir hinter uns lassen, war auch das Jahr mit den größten Bränden aller Zeiten.
Doch hinter den Flammen verbergen sich Geschichten, die ernster sind als der Anschein selbst!
Die brachliegenden Flächen, weniger Sauerstoff, enorme wirtschaftliche Verluste, Gemeinden, die diese Flächen einst als Weideland nutzten, verarmen nun noch mehr und hinterlassen ökologische Schäden, die noch Jahrzehnte spürbar sein werden. Das ist die Realität eines Landes, das jeden Sommer brennt, während das öffentliche Gewissen schläft und die Institutionen schweigen.
Im ersten Halbjahr 2025 war das Land von Hunderten Bränden betroffen, die Wälder und Weiden verwüsteten.
Dem jüngsten Bericht der Nationalen Katastrophenschutzbehörde zufolge sind Vlora, Lezha und Shkodra die am stärksten betroffenen Regionen.
Im Jahr 2024 wüteten die Brände vor allem in Wäldern, während sie in diesem Jahr sehr nahe an Wohngebieten lagen.
Das Verteidigungsministerium teilte Sinjalizo mit, dass das Jahr 2024 zu den schwierigsten des letzten Jahrzehnts gehörte, da ein weitaus größeres Gebiet von den Flammen betroffen war und im gesamten Gebiet eine beträchtliche Anzahl von Bränden registriert wurde.
Ursachen: Zufall, Unachtsamkeit oder Absicht?
Für den Experten Abdulla Diku sind diese Brände das Ergebnis einer Kombination aus Umwelt- und menschlichen Faktoren, die sich oft gegenseitig verstärken und günstige Bedingungen für die Ausbreitung der Flammen schaffen.
Waldbrände werden in den meisten Fällen durch menschliches Handeln verursacht, entweder durch Fahrlässigkeit oder aus Hintergedanken, wie der Rodung von Land für Ackerland oder Weideland. Brandstiftung ist eine Plage, die mit mangelnder Bestrafung und wirksamer Bekämpfung einhergeht. In einigen Fällen entstehen im Laufe der Zeit auch Gebäude in verbrannten Gebieten.
Der Dekan der Fakultät für Forstwissenschaften, Prof. Dr. Elvin Toromani, erklärte, dass das Gesetz zwar Geldstrafen und strafrechtliche Maßnahmen für Brandstiftung vorsehe, in der Praxis jedoch nur sehr wenige Fälle geahndet würden.
Wenn von Brandschäden die Rede ist, geht es meist um die Fläche und den Wert des Holzes. Doch in Wirklichkeit geht mit jedem verbrannten Hektar eine ganze Kette ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Funktionen verloren.
Wälder machen über 36 % der Landesfläche aus. Sie sind die „Lunge“ des Landes, Sauerstoffspeicher, Schutz vor Erosion und wichtige Quelle der Artenvielfalt. Doch die Gesellschaft scheint sich der Bedeutung der Wälder noch immer nicht bewusst zu sein.
In vielen Fällen erholen sich verbrannte Flächen nicht auf natürliche Weise und werden zu nacktem Boden, der dann der Erosion ausgesetzt ist. Dieser Prozess beeinträchtigt auch die Wasserressourcen und verringert die Fähigkeit der Wälder, Wasser zu filtern und den Boden vor Erdrutschen zu schützen, so Experten.
Ein weiterer Schaden, den diese Brände verursachen, ist der Klimaschaden. Jüngsten Schätzungen zufolge setzt jeder Hektar verbrannten Waldes etwa 200 bis 250 Tonnen CO₂ in die Atmosphäre frei. Obwohl Albanien ein kleines Land ist, trägt es durch diese Brände zur Zunahme der globalen Umweltverschmutzung bei.
In wirtschaftlichen Schadensanalysen wird oft nur der Wert des verbrannten Holzes erwähnt. Doch wie Prof. Dr. Elvin Toromani erklärt, umfassen die tatsächlichen Kosten viel mehr: Verlust der Biodiversität: ca. 66 % des Gesamtschadens, Verlust der hydrogeologischen Schutzfunktion (gegen Erosion und Erdrutsche): 18 %, Verlust anderer Waldprodukte (Früchte, Pilze, Honig, Harz): 4 %, Holzverlust: nur 12 %. Ein Hektar verbrannter Wald in Albanien verursacht einen wirtschaftlichen Schaden von ca. 9,237 Euro. Die Kosten für das Löschen eines Feuers belaufen sich laut Daten aus konkreten Einsätzen auf 3,500 Euro/ha, langfristige Schäden nicht eingerechnet.
Unsichtbare Rechnung
Im ländlichen Raum sind Wälder nicht nur ein natürlicher Lebensraum, sondern auch eine Lebensgrundlage. Viele Familien sammeln noch heute Brennholz, Waldfrüchte, Heilkräuter, Pilze oder Honig. Für Viehzüchter sind Waldweiden die Grundlage des Sommers.
Ein Feuer, das nach dem Löschen wieder ausbricht, hat viele Folgen.
In Albanien wird das Wort „Wiederaufforstung“ oft als politisches Versprechen verwendet. Doch vor Ort sieht die Situation anders aus.
In Wäldern dauert die Erholung für die Nutzung als Brennholz 15–25 Jahre, während sie für andere Waldprodukte 5–15 Jahre dauert. Bei Nadelwäldern wie Kiefer und Fichte ist die Erholungszeit sogar noch länger: 30–60 Jahre für Bauholz und 10–20 Jahre für Produkte wie Harz oder Harze.
In den abgebrannten Gebieten werden keine Wiederaufforstungsmaßnahmen durchgeführt. Oftmals scheitert die natürliche Regeneration an Erosion oder massiven Bodenschäden. Anstelle des ehemaligen Waldes entstehen Sträucher oder kahle Flächen, die weiterhin der Gefahr neuer Brände ausgesetzt sind.
Warum brennt es in Albanien mehr?
Die Statistiken sind unerbittlich. Laut Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems (EFFIS) hat Albanien im Zeitraum 1.56–2010 durchschnittlich 2023 Prozent seiner Waldfläche verloren. Im Vergleich dazu verliert Griechenland 0.57 Prozent, Italien 0.72 Prozent und Portugal, das am stärksten betroffene Land Europas, 3.27 Prozent.
Die Gründe sind vielfältig.
Die albanischen Wälder werden nicht regelmäßig von trockenen Ästen und Schutt befreit, die als „Brennstoff“ für Brände dienen. Zudem mangelt es an Präventionsplänen; es gibt keine nationale Strategie mit konkreten Maßnahmen zur Bekämpfung der Brandgefahr.
Mangelndes Interesse seitens der Kommunen: Der Waldschutz wird von den Kommunen oft nicht als vorrangig angesehen und sie nutzen nicht einmal die gesetzlich vorgesehenen Mindestmittel (bis zu 4 % des Haushalts).
Das Verteidigungsministerium erklärt jedoch, dass die AKMC gemäß ihrem gesetzlichen Mandat die koordinierende, koordinierende, leitende, technische, aufsichts- und kontrollierende Autorität im Bereich der Katastrophenvorsorge und des Zivilschutzes im gesamten Gebiet der Republik Albanien ausübt und sich durch ein integriertes und effizientes Zivilschutzsystem für Prävention, wirksame Reaktion und Wiederaufbau einsetzt. Doch die Frage bleibt: Ist das ausreichend?
Albanien verfügt über keine langfristige Strategie für die Wiederherstellung der Wälder nach Bränden. Die derzeitigen Maßnahmen sind notdürftig und fragmentarisch und werden oft durch internationale Geberprojekte unterstützt. Der Waldbewirtschaftungsplan wird, selbst wenn er auf dem Papier existiert, nicht umgesetzt.
Das Gesetz Nr. 45/2019 über zivile Notfälle verpflichtet Kommunen, bis zu 4 % ihres Budgets für Prävention und Sanierung einzusetzen. In der Praxis bleiben diese Mittel jedoch ungenutzt oder werden für minimale Maßnahmen wie Straßenreinigung oder Notfalllöschmaßnahmen verwendet.
Was können (und sollten) wir tun?
Prof. Dr. Elvin Toromani befürchtet, dass der Verlust der Waldfunktionen langfristige ökologische, aber auch wirtschaftliche und soziale Folgen für das Land haben wird, wenn jetzt nicht gehandelt wird. Erforderlich ist ein transformativer Ansatz, bei dem Wälder als kritisches Naturkapital und nicht als Ressource betrachtet werden, die nur in Notzeiten genutzt werden kann.
Andererseits ist Abdulla Diku der Ansicht, Albanien brauche eine integrierte Strategie, die Folgendes beinhaltet:
Prävention (forstwirtschaftliche Maßnahmen, Unterholzreinigung).
Überwachung mit modernster Technologie (Drohnen, Satelliten).
Sowie die Einführung strenger Strafmaßnahmen für Brandstifter.
Doch was wir vor Ort sehen und aus Gesprächen mit den Bewohnern von Rana e Hedhun, wo es im vergangenen Jahr zu massiven Bränden kam, wissen wir, dass die Gemeinden zu Hütern der Wälder werden müssen.
Arben sagt, er sei jetzt jeden Tag wachsam, um kleine Brände zu sehen und bittet sofort um Hilfe. „Ich will die Hölle von früher nicht noch einmal erleben“, sagt er.
Die Bürgerinnen und Bürger können sich aktiv am Waldschutz beteiligen.
Vor jeder bevorstehenden Hitzesaison sollte eine landesweite Kampagne zur Bedeutung der Wälder und den durch Brände verursachten Schäden gestartet werden. Die Aufklärung sollte bereits in den Schulen beginnen und alle Altersgruppen einbeziehen.
Albanien hat in den letzten Jahrzehnten Tausende Hektar Wald verloren, von denen einige möglicherweise nie wiederhergestellt werden können. Nach jedem Brand bleiben nicht nur verbrannte Baumstämme zurück, sondern auch verlassene Dörfer, eine geschwächte Wirtschaft und eine Natur, die uns den Rücken kehrt.
Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir keine Wälder mehr haben, die es zu schützen gilt, und keine Gemeinden, die sie schützen. Wir werden nur schwarze Berge und Geisterstädte haben, deren Rauch uns nicht nur an die verlorenen Bäume erinnert, sondern auch an die Gefahr, dass wir uns selbst verbrannt haben.
Ist Albanien bereit, die Bedeutung dieses Themas zu verstehen?