Bauunternehmen im Steuersumpf: Fiktive Gehälter und informelle Verträge

Das Baugewerbe ist einer der wichtigsten Motoren der albanischen Wirtschaft, aber gleichzeitig auch einer der am stärksten von Schattenwirtschaft betroffenen Sektoren. Hinter den Hochhäusern und Millionenprojekten verbergen sich fiktive Gehälter, Schwarzarbeit, Barverkäufe ohne Rechnungen und Machenschaften mit Scheinlieferanten. Die Steuerbehörde hat Tausende von Bauunternehmen genauestens geprüft und dabei eine Kette von Missbräuchen aufgedeckt, die sich von der Baugenehmigung bis zum endgültigen Wohnungsverkauf erstreckt.

Ida Ismalaja

Von Mindestlöhnen bis hin zu Barverkäufen ohne Rechnungen – der Bausektor zählt weiterhin zu den Hauptquellen informeller Beschäftigung in der Wirtschaft. Die Steuerverwaltung hat einen neuen Risikomanagementplan ins Leben gerufen, der 8784 aktive Bauunternehmen im ganzen Land einbezieht. Hauptziel des Plans ist die Bekämpfung der Informalität im Sektor und die Schaffung eines Referenzmechanismus zur Ermittlung durchschnittlicher Löhne.

IM mittelfristige Strategie Im Zeitraum 2024–2027 gilt das Baugewerbe als einer der wichtigsten Sektoren für die Staatseinnahmen. Hinter den offiziellen Zahlen verbirgt sich jedoch eine problematische Realität mit Löhnen unterhalb des realen Marktniveaus, Schwarzarbeit und der Verwendung von Scheinrechnungen. Die Direktion für Risikomanagement hat das Baugewerbe als Sektor mit hohem fiskalischem Risiko eingestuft – von der Baugenehmigung bis zum endgültigen Wohnungsverkauf.

Laut Analyse der Steuerbehörde liegt das Hauptproblem in der unvollständigen Angabe von Umsatz und Fläche. Dies umfasst die Angabe von Verkaufspreisen unterhalb des Marktniveaus und unterhalb der Referenzpreise sowie Barverkäufe ohne Rechnungsstellung oder Fiskalisierung, insbesondere in der Anfangsphase von Projekten durch informelle Anzahlungen und Vorauszahlungen.

Ein weiteres hohes Risiko besteht in der Unterdeklaration von Lohnkosten und informeller Beschäftigung. Die Zahl der gemeldeten Beschäftigten ist im Verhältnis zum Arbeitsvolumen gering, die Löhne liegen deutlich unter dem marktüblichen Niveau für Bauberufe, und in den intensiven Bauphasen werden Zeitarbeiter oder Schwarzarbeiter eingesetzt.

Laut einer Analyse der Steuerbehörde geben rund 25 % der Bauarbeiter ein Gehalt von 40 bis 50 Lek an, deutlich unter dem marktüblichen Gehaltsniveau in diesem Sektor. Arbeitsmarktexpertin Gertjana Hasalla betont, dass das Baugewerbe zu den Branchen mit dem höchsten Anteil an Niedriglohnarbeitern und gleichzeitig einem hohen Unfallrisiko zählt.

„Der Bausektor ist für etwa 24 % der Arbeitsunfälle verantwortlich und gehört zu den am schlechtesten bezahlten Sektoren auf dem Markt“, sagt sie.

Der Einsatz fiktiver Lieferanten und gefälschter Rechnungen zur künstlichen Kostensteigerung und Reduzierung des steuerpflichtigen Gewinns und der zu zahlenden Mehrwertsteuer stellt weiterhin ein gravierendes Problem dar. Die Finanzbehörden haben zahlreiche Fälle von Briefkastenfirmen – also Unternehmen ohne tatsächliche Geschäftstätigkeit oder Mitarbeiter – sowie von Lieferanten mit Zahlungsverzug aufgedeckt.

Es wurden auch Diskrepanzen zwischen Baugenehmigungen und Steuererklärungen festgestellt, wobei die für Steuerzwecke angegebenen Flächen kleiner sind als die in der Genehmigung bewilligten oder im Kataster eingetragenen. In vielen Fällen werden Projekte zwar fertiggestellt, die Einnahmen jedoch verspätet oder nur teilweise deklariert.

Aufgrund des hohen Bargeldvolumens und der Schwierigkeit, die tatsächlichen Baukosten zu ermitteln, gilt der Sektor als anfällig für Geldwäsche. Berichten zufolge werden Bauprojekte genutzt, um Kapital zweifelhafter Herkunft durch informelle Verkäufe und unvollständige Steuererklärungen zu verschleiern.

Die Steuerverwaltung hat verschärfte Kontrollen von Unternehmen angekündigt, die die tatsächlichen Gehälter nach Berufsbezeichnung nicht angeben, die Anzahl der Beschäftigten auf einem Mindestniveau halten, nicht jeden Verkauf oder jede Vorauszahlung versteuern, fiktive Lieferanten einsetzen, Bauflächen nicht mit offiziellen Genehmigungen abgleichen und neue Steuerschulden, hauptsächlich in Form von Mehrwertsteuer, verursachen.

Das Baugewerbe bleibt ein wichtiger Wirtschaftsmotor, ist aber gleichzeitig einer der problematischsten Sektoren für Schattenwirtschaft. Die Festlegung von Referenzlöhnen, elektronische Überwachung und eingehende Risikoanalysen sind notwendig, bleiben aber ohne tatsächliche Umsetzung und wirksame Sanktionen unzureichende Maßnahmen.acqj.al